claim von gute-banken

Kapitalmarktbasierte Bankenrefinanzierung

Das ist auch schräge: Wie Deutsche Bank Research („Kapitalmarktbasierte Bankenrefinanzierung. (Nicht so) schöne neue Welt …“ 11.6.2012) doziert, sei die Risikoaversion der Investoren seit der Finanzkrise stark gestiegen. Investoren wären im Moment vor allem auf der „Suche nach Kapitalsicherung und nicht nach Rendite“. Auf denglisch heisst das dann: Kein „search for yield“ mehr, sondern ein „flight to quality and simplicity“ (was für eine schöne Wortschöpfung…). Das hört sich ja erstmal gut an.

Aber von dieser Risikoaversion – und jetzt kommt’s - sei der Bankensektor ja besonders stark betroffen: Weil sie den zwei neuen Kriterien „Qualität und Einfachheit“ offenbar nicht so richtig entsprechen wollen, hätten sie derzeit große Schwierigkeiten, sich noch ordentlich in „den Märkten“ zu finanzieren.

Also auf deutsch: Investoren betrachten Großbanken heute als risikoreiches Investment und lassen lieber die Finger davon.

Stattdessen gingen die risikoaversen Investoren derzeit lieber verstärkt in Staatsanleihen rein. Aber die seien ja auch nicht so richtig sicher.

Aber natürlich hat Deutsche Bank Research eine prima Lösung parat.

Geht es da womöglich darum, dass die Großbanken mal ein wenig mehr Solidität geloben würden? Aber nein.

Die Risikoaversion der Investoren, so die Rechercheure, werde voraussichtlich erst dann wieder weg sein, wenn „mehr Sicherheit in Bezug auf die Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise“ da wäre.

Das ist natürlich eine ganz seltsame Perspektive, über die man zweimal nachdenken muss:

Wenn also quasi Staatsanleihen durch die Politik wieder sicher gemacht und das „Vertrauen in die Märkte“ wieder hergestellt würden, dann hätte das den Effekt, dass die Risikoaversion auch wieder weggehen würde.

Da fragt man sich: Wenn die Investoren dann nicht mehr risikoavers wären – was wären sie dann eigentlich?

Das Gegenteil von Risiko-Aversion ist ja bekanntlich die Risiko-Affinität. Dann könnten die Investoren also wieder risiko-affin werden. Und deshalb auch wieder in Banken und ihre Spiele investieren.

In diesem Sinne, so folgern die Experten, würde „allein das Lösen der europäischen Staatsschuldenkrise“ langfristig dazu führen, „dass Schuldtitel von Banken wieder als investitionswürdig angesehen“ würden.

Also mal auf deutsch: Je sicherer der Hafen der Staatsanleihen „den Märkten“ erscheint, desto mehr Gambling könnten Banken dann wieder betreiben.

Fazit: Da kann man sich ja nun wirklich überlegen, ob man lieber den Teufel mit dem Beelzebub austreiben will – oder eben andersrum…
weitere Einträge

Kommentare

Kommentar schreiben

Bleiben Sie bitte sachlich und themenbezogen in Ihren Beiträgen und unterlassen Sie bitte links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende und verleumderische Aussagen.