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Mal schnell Vertrauen schaffen: Die Deutsche Bank und der Verbriefungsmarkt

Es geht also wieder los: Bloomberg meldet am 4.1.11, dass die Deutsche Bank, UBS und JPMorgan Chase & Co laut gut unterrichteten Kreisen ein verbrieftes Immobilienpaket im Bereich gewerbliche Immobilien vorbereiten. Gesamtvolumen: 4 Mrd. US-Dollar. Das gemeinsame Paket von Deutsche Bank und UBS soll bis zu 2,5 Mrd. USD. schwer sein – das größte Paket seit dem Kollaps im Jahr 2008.

 

Bemerkenswert ist daran verschiedenes. Zum Beispiel, dass die Resonanz in deutschen Medien zwei Tage nach der Meldung gering ist. Immerhin schreibt das Schweizer Magazin Cash am 5.1.11 unter der schönen Headline „UBS und Co. platzieren Ex-Schrottpapiere“:

 

„Lieber Ex-Schrott als null Prozent

 

Experten zufolge reagieren die Banken mit dem Schnüren der Wertpapiere auf die Nachfrage von Anlegern nach Investments mit einer höheren Rendite, während die Federal Reserve den Leitzins nahe der Null-Prozent-Marke halte. JPMorgan geht davon aus, dass sich der Markt für Papiere, die mit Gewerbehypotheken unterlegt sind, in diesem Jahr auf unterm Strich rund 45 Milliarden Dollar vervierfachen wird.“

 

Das ist natürlich eine gute Erklärung für dieses erneute Aufflammen der Verbriefungen von schlechten Krediten: Der Markt verlangt danach – also stellt Euch nicht so an! Wenn's die Leute doch wollen, dann sollen sie es auch kriegen.

 

Und die wunderbare, herrliche Deutsche Bank agiert in diesem Pfui-Markt, der doch, wie man immer liest, die Krise auslöste? Das ist natürlich auch insofern seltsam, als Deutsche Bank Research noch am 23.4.2010 in der Studie „Refinanzierungsrisiken bei Gewerbeimmobiliendarlehen“ trefflich analysierte:

 

„Verbriefungsmarkt mit Sonderrisiken: Insbesondere der CMBS-Markt bereitet Sorgen, weil es hier nicht nur größere Unsicherheiten hinsichtlich der gesamten Marktgröße und der Fälligkeitsstrukturen gibt, sondern weil die atomistische Investorenstruktur eine Restrukturierung der Schulden durch Verlängerung von Verträgen deutlich erschwert.“

 

Auf deutsch: CMBS steht für Commercial Mortgage-Backed Securities. Das sind Immobilien-Kredite, die man sich am besten wie gewohnt durch Verbriefungen vom Hals bzw aus den Büchern schafft.

 

Es geht noch weiter: Wie wird man diese Risiken am besten los? DB-Research wusste es schon im April 2010:

 

„Ziel ist es, den Fremdkapitalanteil in der Immobilienwirtschaft zu reduzieren, z.B. durch börsennotierte Eigenkapitalvehikel.“

 

Auf deutsch: Börsennotierte Eigenkapital-Vehikel sind Special Purpose Vehicles – also Verbriefungen. Man bündelt die riskanten Kredite, gründet eine GmbH – und verkauft sie auf dem Kapitalmarkt. Am besten auf den Kaiman-Inseln...

 

Wie war das noch: Waren die Verbriefungen durch die Krise nicht in Ungnade gefallen? Kein Problem. Denn, so weiß Deutsche Bank Research ebenfalls schon im April 2010:

 

„Das Wiederanspringen des Verbriefungsmarktes wäre wunschenswert, erfordert aber vertrauensbildende Maßnahmen.“

 

Jetzt verstehen wir auch, warum Ackermann im November 2010 das "Leitbild für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft" mit unterzeichnet hat. Dazu zitiert ihn das „Wittenberg Zentrum für Globale Ethik“:

 

„Unternehmen und Manager - gerade in der Finanzbranche - sind auf Vertrauen angewiesen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Dr. Josef Ackermann. "Vertrauen beruht vor allem auf Glaubwürdigkeit. Glaubwürdig sind wir aber nur, wenn gesellschaftliche Verantwortung selbstverständlicher Teil unseres gesamten Denkens und Handelns ist. Sie muss in unsere Geschäftspolitik und Geschäftsprozesse integriert und bei allen Entscheidungen berücksichtigt werden."

 

Fazit:

 

Offenbar reichte der Deutschen Bank und dem Kapitalmarkt die kurze Zeit von wenigen Monaten, um Vertrauen zu schaffen – und die Rückkehr in Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS) – also Verbriefungen von gewerblichen Immobilien zu machen. So schnell schafft man also Vertrauen… 

 

Das erinnert nun wieder stark an den – Charles Baudelaire zugeschriebenen – Satz:

 

„Für einen Kaufmann ist selbst Ehrlichkeit ein finanzielles Kalkül.“

 

Mal abwarten, was als nächstes passiert...

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