Handelsblatt 12.1.11: "Bankmanager sprühen vor Optimismus." Oder: Äpfel sind keine Birnen…
Im Handelsblatt-Artikel (12.1.11) heisst es: Der private Bankenverband habe sich noch Anfang der Woche über die milliardenschweren Belastungen beschwert. Und nun? „(…) eine aktuelle Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young gibt Entwarnung: Banken-Vorstände erwarten ein gutes Geschäft und nehmen die anstehende Regulierung gelassen. (…)Die Zustimmung zur Regulierung sei "überraschend groß", heißt es in der Studie.“ Ja, frag Dich mal warum…
Das halbjährlich erscheinende Bankenbarometer 2011 von Ernst & Young befragt wie jedes Jahr 120 Banken – dieses mal sind das zu 33 % Sparkassen und zu 22 % Genossenschafsbanken. Die haben ja nun wirklich kein besonderes Problem mit der Regulierung.
Noch klarer wird die Sache, wenn man die Bilanzsummen der befragten Banken betrachtet: 74 % weisen in ihren Bilanzen eine Summe „bis 2 Mrd. Euro“ aus. Das ist nun auch für ein regional orientiertes Kreditinstitut wirklich nicht gerade wahnsinnig viel. Da muss man sich ja nicht wundern, dass laut Handelsblatt trotz höheren Kapitalanforderungen und schärferen Vergütungsregeln „jeweils 53 Prozent der Befragten „positive Auswirkungen für die Volkswirtschaft und sogar auch für das eigene Geschäft“ sehen. Denn dass Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit der Krise mehr Zulauf bekamen, ist ja bekannt. Und das finden wir ja auch gut.
Und da hilft bei aller Häme selbst die angenehm kritische Haltung des Handelsblatt nicht, dass: die Privaten noch Anfang der Woche dicke Arme gemacht hätten.
Wären die Mitglieder des privaten Bankenverbands, in dem vor allem die Großbanken herrschen, da wirklich gemeint gewesen, wär's ja wie immer perfide. Aber die haben am Bankenbarometer kaum teilgenommen: Im Jahr 2009 gab das Bankenbarometer nur 3 % der Befragten als Großbanken an – der Anteil an privaten Regionalbanken wurde mit 16 % beziffert. Amüsant auch: Im 2011er Bankenbarometer werden Großbanken und Landesbanken in einen Topf geworfen. Das bringt aber nicht grade viel: In der Summe ergibt das einen Anteil von 8% der Befragten. Nicht so wirklich relevant.
Fazit
Der Denkfehler, dem das Handelsblatt in seiner Attacke unterlegen sein könnte: Das eine sind Äpfel, das andere sind Birnen. Die soll man nicht zusammenzählen.
Ja, ist wohl schon so: Manchmal ist es hilfreich, ein wenig tiefer zu graben...
Kommentar schreiben