Großes Kino: Der Commerzbank-Deal. Oder: Rate mal, wer profitiert?
Das Handelsblatt (13.1.11) schreibt unter „Commerzbank wappnet sich für neue Regeln“: „Die teilverstaatlichte Commerzbank besorgt sich frisches Geld. Sie hat eine Kapitalerhöhung von mehr als einer halben Milliarde Euro bekanntgegeben und bereits abgeschlossen. Das Nachrangkapital wird also künftig an Bedeutung verlieren – so wollen es die Aufseher.“ Eine seltsame Konstruktion, die auch wieder keiner nachvollziehen kann – außer denen die davon profitieren…
Mal im Groben sehen, wie das abläuft: Die Commerzbank wirft also 118 Mio Aktien für einen Preis um die 5 Euro aus. Macht ca. eine halbe Milliarde. Der Staat zieht mit 200 Millionen mit, um seinen Einfluss von 25% plus 1 Aktie zu behalten. Würde er das nicht machen, würde sein Anteil ja geringer werden – man nennt das auch verwässern. Also gehen von der halben Milliarde erstmal die 200 Millionen vom Staat runter. Macht noch 300 Mio, die ggf von neuen Aktionären kommen. Mit diesem Geld werden laut Handelsblatt Besitzer von Anleihen ausgezahlt. Nun rate wer das wieder ist..
Das Handelsblatt erklärt es uns: „Oft handelt es sich (…) um Hedge-Fonds,“. Aha. Da, das kann ja nur interessant werden…
Und tatsächlich: Jetzt kommt es wirklich schräge! Um das nachzuvollziehen, muss man sich nochmal klar machen, dass man ja heutzutage als echter Player nichts mehr zu dem öffentlich – also über die Börse definierten - Wert kauft, sondern eben über Anleihen oder graue Märkte seine eigenen Preise macht. Und das machten die Hedge Fonds und vielleicht auch andere das schon im Jahr 2009 .
Kurzer Auszug aus dem Handelsblatt-Artikel:
"Für viele Eigentümer der Hybridpapiere ist das Angebot trotz der Abschläge attraktiv. Denn oft handelt es sich bei ihnen um Hedge-Fonds, die im Frühjahr 2009 die Papiere zu Kursen von zehn oder zwanzig Prozent des Nennwerts gekauft haben. Selbst die nun von der Commerzbank gebotenen Kurse in Höhe von 48 bis 71,5 Prozent des Nennwerts würden ihnen einen deutlichen Gewinn bescheren und die Gelegenheit zum Ausstieg bieten."
2009 ging es der Commerzbank bekanntlich noch so dreckig, dass sie laut Handelsblatt die Anleihen zu Kursen von zehn oder zwanzig Prozent des Nennwerts verkaufte. Nur um an Geld zu kommen. Also ein echtes Schnäppchen für die Hedge Fonds. Denn dass die Bundesregierung die Bank nicht kaputt gehen lassen würde, war ja zu diesem Zeitpunkt schon klar. Ergo musste man nur eine Weile warten.
Also wer hat davon jetzt etwas? Das muss man wohl mal erklären: Die einfachste Erklärung lautet wohl auf: „Oh Wunder, alle profitieren von einem Deal, den ein normaler Mensch kaum verstehen kann.“ Naja ein wenig präziser kann man’s schon noch kriegen:
1. Vorteil für die Hedge Fonds
Die Commerzbank bot laut Handelsblatt für die Auslösung der Anleihen Kurse in Höhe von 48 bis 71,5 Prozent des Nennwerts an. Im Verhältnis zu zehn oder zwanzig Prozent vom Nennwert, zu denen sie die Hedgefonds für anderthalb Jahren kauften, ist das für die eine prima Verzinsung. Mag sein, dass die das gar nicht so sehen würden und lieber noch mehr Rendite haben wollten. Aber das muss uns ja nicht interessieren...
2. Vorteil für die Commerzbank
Umgekehrt kann die Commerzbank durch die Ablösung der Anleihen auch einen bilanziellen Gewinn machen. Handelsblatt: „Weil die Papiere unterhalb des jeweiligen Nennwerts notieren und günstiger aufgekauft werden, kann die Commerzbank einen Buchgewinn einfahren. Finanzkreisen zufolge liegt er bei mehr als 300 Millionen Euro.“ Das ist natürlich wirklich cool. Sie holt angeblich 500 Millionen rein, hat hinter – sehr grob gesprochen - keinen Pfennig mehr in der Hand. Wunderbare Welt der Bilanzgestaltung: Am Ende kann sie durch die Differenz zwischen Verkaufspreis und Nennwert der Anleihen doch einen satten Gewinn in die Bücher schreiben.
3. Lange Nase für den Staat
Der Staat hat immer noch 25 % und 1 Aktie – und immer noch keine Zinszahlung. Alles was uns bleibt ist tatsächlich drauf zu warten, dass die Commerzbank sich weiter erholt und ihr die Argumente ausgehen, warum sie sich keine Mittelabflüsse erlauben kann. Im Moment gerne genommen: Erst muss die Kernkapitalquote gesteigert werden wegen Basel III und Finanzmarktregulierung und so. Ja, die haben’s schon schwer...
Fazit:
Das ist Finanzmarkt-Logik vom Feinsten! Die muss uns nicht einleuchten und wir müssen sie auch nicht gut finden – denn sie funktioniert ja auch ohne uns ganz gut.
Da hilft uns auch nicht, was am 28.10.08 das Bundesfinanzministerium im Zusammenhang mit der Bankenrettung über Leistung und Gegenleistung schrieb:
„Rekapitalisierung: Hier soll der Fonds (Soffin) eine Vergütung in Form eines Gewinnvorzugs oder einer Verzinsung anstreben.“
Ebenso wenig können wir heute so richtig glauben, was das Bundesfinanzministerium am 9.1.09 unter der Headline „Stärkung der Commerzbank ist wichtig für Deutschland“ von sich gab:
„Das Signal des Bundes: Er nimmt seine Verantwortung für einen der großen deutschen Akteure am Finanzmarkt wahr, der nun mit einer Kernkapitalquote von etwa 10 Prozent in der Lage sein wird, sich auch in der Finanzmarktkrise erfolgreich und wettbewerbsfähig aufzustellen - zum Vorteil der deutschen Volkswirtschaft.“
Das hat ja wohl bisher noch nicht so richtig geklappt. Aber wir denken ja langfristig. Und vielleicht gelingt es der nächsten Bundesregierung ja, so wie die US-Regierung beim Börsengang von General Motors irgendwann nicht nur das Geld wieder reinzuholen, sondern auch 12 Milliarden Dollar Gewinn zu machen. Da sind wir mal gespannt drauf.
Und bis dahin lassen wir uns noch ein wenig von Focus Money und Konsorten wegen gaaaanz arg schlimmen Automatengebühren närrisch machen – und machen unsere Bankgeschäfte am liebsten mit Instituten, die mit dem Soffin, dem Finanzmarkt und der Bankenrettung möglichst am wenigsten zu tun haben.
Ratmal wer das ist: Genau! Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Aber das konnte man sich ja schon denken...
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