claim von gute-banken

Triple A-Wahnsinn. Oder: Glaub keinem Rating, das Du nicht selbst gefälscht hast.

Unter anderem in der FTD vom 16.1.11. war schon zu lesen:„Nach Einschätzung der Staaten, der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die EFSF (European Financial Stability Facility – der Euro Stabilitätsfonds) für die Finanzmärkte nicht glaubwürdig genug, weil sie wegen verschiedener Sicherheitsregeln tatsächlich nur rund 250 Mrd. Euro verleihen kann.“ Äh, wie war das - wer rettet jetzt noch mal wen?

 

Also erst rettet der Staat den Finanzmarkt. Dann ist er dem Finanzmarkt nicht glaubwürdig genug. Das klingt mal schon cool und so richtig schön absurd. So richtig etwas, das man mal seinen Enkeln erzählen kann später.

 

Ist aber ja nicht alles. Denn erst die technischen und emotionalen Feinheiten dieses Spiel machen seinen eigentlichen Kick aus:

 

In der ZEIT vom 17.1.11 „Schäuble deutet Kompromiss an“, liest man dann nämlich,

dass also die insgesamt 750 Milliarden Euro des Rettungsfonds mit einem Anteil von 440 Milliarden Euro durch Kreditbürgschaften der Euro-Länder aufgebracht würden. Diese real verfügbare Kreditsumme sei aber quasi „in Wirklichkeit“ geringer, geschätzt nur 250 Milliarden. Warum das jetzt schon wieder?

 

Der Grund: Die Kredite müssen ihrerseits auf dem Finanzmarkt „übersichert werden“, „um für die Staatsanleihen der Euro-Länder möglichst niedrige Zinssätze sicherzustellen.“ Plötzlich ist unendlich viel Geld dann nicht mehr so viel. Verstanden? Macht nichts... Geht ja noch weiter…

 

Im selben Artikel wird nämlich Schäuble dann erstmal nur ganz vernünftig zitiert, dass über dieses "Problem" mittelfristig diskutiert werden müsse. Dabei müsse es aber nicht "um Aufstockung oder Erweiterung gehen - sondern einfach darum, dass die vereinbarte Summe im Notfall auch zur Verfügung stehe.“ Das ist handfest. Das versteht man. Und das kann man auch nachvollziehen. Damit wäre dann auch alles gesagt gewesen.

 

Am 18.1.11 erregt sich Bundesfinanzminister Schäuble dann aber doch ganz feste: Im Westdeutschen Rundfunk prangert er an, dass es ja nicht sein könne, wenn in einem solidarischen System „aufgrund dieser Triple A-Problematik“ nur noch die sechs stärksten Länder zahlen würden. Was für eine seltsame Solidarität, in der die starken mehr zahlen als die Schwachen... (kopschüttel)

 

Wie augenfällig muss die eigentliche Problematik noch werden, damit man sie sieht?

Vielleicht muss man ja auch hier ein wenig tiefer graben...

 

Die Chronologie

 

Mal zurückdenken:

 

  1. Vor etwas mehr als drei Jahren brach das Wettsystem des Finanzmarkts wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Das System aus hirn- und referenzlosen Wetten und intransparenten Produkten kollabierte.
  2. Schnell wunderte sich keiner mehr darüber, dass diese sogenannten „strukturierte Produkte“ wie Verbriefungen bis zum Moment der Krise allesamt mit einem guten Rating von einer der drei zugelassenen Rating-Agenturen versehen waren.
  3. Alle Staaten setzten astronomische Summen für Bürgschaften, Kredite und Verstaatlichungs-Aktionen zur Rettung des Hasardeur-Systems ein.
  4. Dadurch durchbrachen viele von ihnen die Grenze des zum Beispiel in der EU zugelassen Neuverschuldungsgrades von 3% des Bruttosozialprodukts.
  5. In der Folge begannen dieselben Rating-Agenturen, deren Urteilskraft in die Krise führte, die Kreditwürdigkeit derselben Staaten, die vom Finanzmarkt in die übermäßigen Schulden getrieben wurden.
  6. Plötzlich sprach man nicht mehr von der Finanzmarktkrise, sondern von der Schuldenkrise.
  7. Staaten werden betrachtet wie Unternehmen – obwohl sie doch keine sind.
  8. Je schlechter das Rating für ein Land ist, desto höher sind die Zinsen, die vom Land für Staatsanleihen bezahlt werden müssen.
  9. Um dem Finanzmarkt und den Rating-Agenturen zu gefallen und an günstige Zinsen zu kommen, fuhren Staaten wie Griechenland harte Sparpläne auf.

10.  Die selben Rating-Agenturen, die alles an die Wand gefahren hatten, beurteilen die Sparmaßnahmen dann als ggf zu hart und kontraproduktiv für die wirtschaftliche Entwicklung.

11.  Als solidarische Gemeinschaft setzen sich alle EU-Staaten für die Aufrechterhaltung der Kreditwürdigkeit dieser Staaten ein.

12.  Die EZB kauft Staatsanleihen auf, um die Kreditwürdigkeit zu sichern.

13.  Zack – jetzt ist es keine Schuldenkrise mehr, sondern eine Euro-Krise.

14.  Die Europäische Union beschließt einen Rettungsfonds mit einer dreiviertel-Billion Euro – ausreichend, um Sicherheit zu schaffen für all das, was vom Finanzmarkt geschwächt, zerstört und verbrannt wurde.

15.  Weil sie soviel Geld nicht in der Portokasse haben, müssen die Staaten die Kreditwürdigkeit ihres Beitrags zum Rettungsfonds absichern. Das Urteil fällen erneut die Rating-Agenturen, deren Urteilskraft schon mehrfach unter Beweis gestellt wurde...

16.  Unterschiedlich starke Staaten werden mit unterschiedlichen Ratings versehen. Staaten mit zu schwachen Ratings – übrigens von den bekannten Rating-Agenturen – müssen mehr bezahlen. Das wird zu teuer.

17.  Technisch gesehen scheint es also Sinn zu machen, dass die Staaten mit gutem Rating von den bereits erwähnten Rating-Agenturen für mehr Geld stehen als die Schwächeren.

18.  Darüber erregt man sich dann stark....

 

 

Die Fragen

 

Wer sich nach diesem kurzen Durchmarsch ein paar einfache und gute Fragen stellen will, muss nicht besonders kreativ sein. Die wohl einfachste Frage, die uns dazu einfällt:

 

Wieso wird das Urteil von drei privaten Rating-Agenturen überhaupt (noch) ernst genommen?

 

Es kann doch eigentlich kaum sein, dass deren unhinterfragte Urteilskraft das gesamte Weltgeschehen bestimmt. Oder doch? Offenbar ist es so. Und zwar wohl aus dem einfachen Grund, weil alle daran glauben (wollen).

 

Die Banken

 

Die Banken glauben gerne daran, weil sie ihre eigene Rating-Kompetenz längst reduziert haben. Ihr Geschäftsmodell ist nicht wirtschaftliche Vernunft, sondern schnelles Trading. Es kommt im Grunde nicht auf den Inhalt des Ratings an, sondern nur auf die drei Buchstaben, die zur Preisfindung dienen. Billig kaufen, teuer verkaufen. Oder noch einfacher: Nur noch auf Kurse wetten, dabei durch Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit die emotionale Maschine am Laufen halten. Es kommt nicht mehr auf Sinn an, sondern auf Bewegung. Je mehr Bewegung desto mehr Wetten kann man für den Kunden verkaufen und kaufen.

 

Die Politik

 

Die Politik glaubt sogar dann gerne daran, wenn es ihr, wie im Falle Schäubles, gewaltig stinkt. Das liegt nun einfach daran, dass nach wie vor daran geglaubt wird, dass man genau diesen Finanzmarkt braucht – so wie er ist. Alternativlos quasi...

 

Diesen Glauben aufzugeben, würde entweder ein allzu gründliches Umdenken oder einfach nur eine politische Kehrtwende erfordern. Die Alternativen wären hier: System grundlegend ändern oder fragwürdige Produkte verbieten. Beides wird vom Finanzmarkt als schwierig dargestellt und deshalb gefürchtet.

 

Das Fazit

 

Das Ganze erinnert immer mehr an das alte Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Das System entblösst sich immer mehr – und keiner fängt an zu lachen.

 

Vielleicht auch weil es so ernst ist. Aber wie ernst ist es wirklich? Das wissen –wahrscheinlich – nur die Rating-Agenturen. Und natürlich die Großbanken und der Finanzmarkt, die von jeder Panik und jedem Rating profitieren. Egal ob gut oder schlecht, rauf oder runter...

 

Ach nein, dann schon lieber so wie früher: Mit langweiligen Banken – am liebsten Sparkassen und Genossenschaftsbanken – die nur halb so gedankenlos verspielt sind und deshalb zwar auch nur halb so viel Rendite machen. Aber das macht ja nichts. Weil sie keine Aktionäre haben, die gleich weglaufen, wenn man nicht das Maximale herauspresst....

 

 

Noch etwas? Klar:

 

-         empfehlt doch bitte unsere Seiten in Facebook weiter oder teilt einfach diesen Artikel

-         weist Eure Freunde und Bekannten auf unsere Seiten im Web unter www.gute-banken.de

-         bewertet Eure Bank auf unserer Website

-         noch besser: schreibt auf gute-banken.de einen Bericht über Eure Erfahrungen mit Euren Banken!

 

Wir freuen uns über Eure Unterstützung! Weil das allen helfen würde. Und ganz ehrlich: uns auch!

weitere Einträge

Kommentare

Kommentar schreiben

Bleiben Sie bitte sachlich und themenbezogen in Ihren Beiträgen und unterlassen Sie bitte links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende und verleumderische Aussagen.