claim von gute-banken

Commerzbank-Deal, Folge x: Mal „schnell“ 67% Kurssteigerung erwarten…

n-tv meldet am 23.1.11: „Beteiligung an der Commerzbank - Bund will sich schneller lösen“: “(…) möglichst noch in diesem Jahr (…) sollen (…) 10 Mrd. der insgesamt 16,4 Mrd. Euro aus der stillen Einlage des Bundes zum Teil über Wandelanleihen in Aktien getauscht werden.“ Aha. Klingt ok – einfach mal Kasse machen. Man muss dann aber weiterlesen: „Knackpunkt sei der Aktienkurs (…) unter der Sechs-Euro-Grenze (…). Der Tausch sei (…) erst ab einem Kurs von mehr als 10 Euro attraktiv.“ Versteht das eigentlich noch jemand?

 

Nur mal Rande noch eine drollige Feststellung dazu: Am 6.1.11 schrieb Focus Money noch: „Commerzbank - Bund will seinen Einfluss noch lange behalten“. Was stimmt da jetzt und was stimmt nicht? Naja. Die Focus-Meldung war ja auch vor der Kapitalerhöhung und ist ja doch schon über 14 Tage her...

 

Also was passiert da eigentlich gerade? Passiert überhaupt irgendetwas?

 

Wie immer lohnt es sich, ein wenig tiefer zu graben…

 

Der Aktienwert

 

Worum geht’s hier eigentlich? Also, mal kurz nachdenken:

 

  1. Aktuell gibt es von der Commerzbank nach der kürzlichen Kapitalerhöhung etwa 1.18 Milliarden Aktien.
  2. Der aktuelle Kurs liegt am 24.1.11 um ca. 14 Uhr bei etwa 5,70 Euro.
  3. Multipliziert man diese Zahl mit der Anzahl der Aktien, macht das überschlägig eine Marktkapitalisierung von 6,79 Mrd Euro.
  4. Der Buchwert der Commerzbank – also einfach gesprochen das, was sie nach ihren Bilanzen auf die Waage bringt – liegt laut Angaben z. B. von Reuters bei 8,44 Euro pro Aktie.
  5. Die Aktie wird also für weniger gehandelt, als sie eigentlich vom Buchwert her wert ist.

 

Soviel mal überschlägig zu den aktuellen Fakten  und zum Unterschied von Buchwert und Börsenwert.

 

Der Anteil des Bundes

 

Nun ist es ja so, dass der Bund im Moment noch eine stille Beteiligung hat, die eben rechnerisch 25% der Aktien plus 1 Aktie darstellt. Die Einlage wird zwar auch in Aktien umgerechnet (eben in 25% plus eine Aktie), aber es sind keine Aktien, die man grade mal so verkaufen könnte. Dafür müsste man, wie n-tv schreibt, diese Beteiligung „zum Teil über Wandelanleihen in Aktien“ umtauschen.

 

Hierzu schreibt Focus Money Online dann am 24.1.11 wieder unter der schönen Headline „Commerzbank unter Druck“:

 

„Equinet-Analyst Philipp Häßler hält einen solchen Schritt nur dann für realistisch, wenn dies mit einer Kapitalerhöhung einhergehe. Außerdem stellte er die Frage, warum der Bund seine relativ hoch verzinste Stille Einlage in eine niedriger verzinste Wandelanleihe tauschen sollte.“

 

Ganz abgesehen davon, dass ja die Zinsen für das Jahr 2010 wie man gelesen hat, durchaus noch nicht an den Bund geflossen sind – wie man ja aus der Eurohypo noch jede Menge Altlasten hat – ist das eine interessante Frage.

 

Eine Wandelanleihe?

 

Denn eine Wandelanleihe ist eine Art Wertpapier, das seinem Inhaber die Möglichkeit einräumt, den Wert der Anleihe innerhalb eines definierten Zeitraumes zu einem in der Regel vorher festgelegten Kurs in Aktien umzuwandeln. Tatsächlich ist es aber ja so, dass bei einem angenommenen Aktienkurs von 10 Euro und 1,18 Milliarden Aktien die Marktkapitalisierung auch nur bei etwa 12 Milliarden Euro liegen würde. Dass der Bund da mal eben 10 Milliarden unterbringen könnte, ist ja eher unwahrscheinlich. Darum sieht der Analyst hier nur die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung – also mehr Aktien im Umlauf. Und das würde im Zweifelsfall den Kurs wieder eher drücken. Aber egal…

 

 

Fazit

 

Wenn der Bund also die stille Einlage beispielsweise bei einem Kurswert von aktuell nicht ganz 6 Euro umtauschen würde, dann würde man sich keinen Gefallen tun. Denn sie ist ja vom Buchwert her mehr wert. Deshalb sagt der Bund eben: Ach nein, das macht ja nur einen Sinn, wenn der Kurswert deutlich über dem Buchwert ist. Also sagen wir mal bei 10 Euro. Weil wenn der Kurswert höher als der Buchwert ist, dann ist auch die Nachfrage nach der Aktie höher. Und dann können wir sie ja vielleicht, wenn wir sie dann mal haben, auch so nach und nach – wie das die Amis mit General Motors gemacht haben – mit Gewinn verkaufen.

 

Ach so, und deshalb will man jetzt auch erst noch schnell – oder wie mal in dem Artikel liest  „schneller“ auf einen Kursanstieg auf 10 Euro warten. Ja, das nennen wir aber mal realistisch! Von 6 Euro auf 10 Euro - das wäre ja nur ein Kursanstieg um grade mal 67% – kommt ja in den besten Familien vor...

 

Mal im Ernst jetzt: Wem nützen solche Meldungen eigentlich? Gegebenfalls vielleicht denen, die bei der Commerzbank auf fallende (oder steigende?) Kurse gewettet haben… aber sind sie für uns als Bürger und Steuerzahler relevant?

 

Irgendwie könnte man schon sagen: Am besten würden wir alle erstmal Finanzwirtschaft studieren. Und wenn wir dann endlich verstehen, was da so läuft und wie der Bund am Nasenring durch die Manege geführt wird – dann könnten wir uns diese ganze Finanzmarkt-Orientierung mit ihren Wetten und Deals ganz bewusst abgewöhnen und uns ein besseres System überlegen.

 

Und was machen wir bis dahin?  Naja, am besten lassen wir solche Meldungen wohl einfach mal links liegen und machen – wie schon mal gesagt - unsere Bankgeschäfte am liebsten mit Instituten, die mit dem Soffin, dem Finanzmarkt und der Bankenrettung möglichst am wenigsten zu tun haben.

 

Schon klar, was das für Institute sind: Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Aber das konnte man sich bei uns ja schon denken...

 

weitere Einträge

Kommentare

Kommentar schreiben

Bleiben Sie bitte sachlich und themenbezogen in Ihren Beiträgen und unterlassen Sie bitte links- und rechtsradikale, pornographische, rassistische, beleidigende und verleumderische Aussagen.